Enigma - die
deutsche Wundermaschine...
Um keine andere
Verschlüsselungsmaschine ranken sich so viele Mythen wie um die
Enigma, die von den Deutschen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges eingesetzt
wurde. Im Jahr 1919 patentierte der Holländer Hugo Alexander Koch
seine neue Erfindung, die er "Geheimschreibermaschine" nannte.
Er hatte vor seine Errungenschaft kommerziell zu vermarkten und gab
der Maschine deswegen einen neuen Namen. Er nannte sie Enigma, das Wort
kommt aus dem griechischen und bedeutet "Rätsel" oder
"Geheimnis". Die Enigma hatte ungefähr die Größe
einer Schreibmaschine und wog zwischen 20 und 30 kg. Sie verfügte
über eine Tastatur für die Eingabe und über 26 Lämpchen
für die Ausgabe und basierte auf dem System der Rotormaschine.
Trotz intensiver Werbung und einer Empfehlung des Instituts für
Kriminologie in Wien blieb der Erfolg zunächst aus.
Fig.
4.1.1 - Eine aufgeklappte Enigma und zwei ausgebaute Rotoren
Die Ur-Enigma Bestand aus vier dicken Scheiben. Auf beide Kreisflächen
der Scheiben waren je 26 elektrische Kontakte vorhanden. Die Kontakte
einer Seite waren nach einem bestimmten (geheimen) Muster mit jeweils
einem gegenüberliegenden Kontakt verbunden. Jede Scheibe war anders
verdrahtet und untereinander und gegen eine zusätzliche 5. Scheibe
austauschbar. Jeder der 26 Kontakte repräsentierte einen Buchstaben.
Ließ man nun per Tastendruck einen elektrischen Strom durch die
Walzen laufen, so brachte dieser eines der 26 Lämpchen zum Aufleuchten.
In dieser einfachen Form können Schlüssel dadurch erzeugt
werden, dass man die Anfangsstellung der Scheiben variiert und die Scheiben
gegeneinander austauscht. Allerdings handelt es sich dabei um eine einfach
Substitution, die relativ einfach zu dechiffrieren ist.
Dreht man jedoch die erste Scheibe nach jedem Tastendruck einen Kontakt
weiter, erhält man bereits eine polyalphabetische Substitution
mit der Periodenlänge 26. (Das 27. Zeichen wird wieder gleich wie
das erste verschlüsselt.) Bei der Ur-Enigma wurde, ähnlich
einem Zählwerk, nach einer vollen Umdrehung der ersten Scheiben
die zweite Scheibe um eine Position weitergedreht, nach einer vollen
Umdrehung der zweiten Scheibe die dritte usw. Daraus ergab sich dann
bereits eine Periodenlänge von 264 = 456976. Diese große
Anzahl von Schlüsseln erschwerte eine Klartextanalyse ungemein.
Das Bessere ist
des Guten Feind, dachte sich 1926 Willi Korn und entwickelte die Enigma
weiter in dem er mehrere "Verbesserungen" einbaute um die
Enigma noch sicherer zu machen.
Sein verhängnisvollster Fehler war, dass er die letzte Scheibe
durch eine sogenannte Umkehrwalze, auch Reflektor genannt, ersetzte.
Dieser besaß nur auf einer Seite Kontakte, die nach einem bestimmten
Schema paarweise
miteinander
verbunden waren. Dadurch wurden die elektrischen Impulse, nachdem sie
die drei Walzen passiert hatten, wieder durch diese zurückgeleitet
(Abb. 4.1.2). Allerdings konnte nun bei der Verschlüsslung kein
Buchstabe mehr in sich selbst übergeben werden was die Klartextanalyse
deutlich vereinfachte.
Seine zweite "Verbesserung" betraf den Mechanismus zum Weiterdrehen
der benachbarten Walze. Dieser wurde an jeder Scheibe an unterschiedlichen
Stellen montiert. So bewegte eine Walze die Nachbarwalze z.B. nach 15
Vorschüben, eine andere aber erst nach 24 Positionswechseln. Korn
glaubte damit zusätzlich Verwirrung zu stiften, erreichte aber
genau das Gegenteil, denn er fügte damit jedem Rotor, neben der
typischen Verdrahtung, ein zweites individuelles Merkmal hinzu. Dieser
Umstand erleichterte es den Kryptonanalytikern herauszufinden, welche
Walze in welcher Position bei der Verschlüsselung eingesetzt wurde.
Korns dritte Änderung war tatsächliche ein Verbesserung. Er
schaltete der Rotormaschine ein Steckbrett (Abb. 4.1.3) vor mit dem
Buchstabenpaare vertauscht werden konnten.
Bei der Standart Enigma (später wurden auch Versionen mit vier
Walzen, die aus bis zu acht Rotoren ausgewählt werden konnten,
eingesetzt) konnte die Verschlüsselung durch Auswahl der Rotoren
(standardmäßig drei aus fünf) , ihrer Reihenfolge in
der Maschine und ihrer Startposition und durch die Architektur der Steckbrücken
variiert werden. Daraus ergab sich die enorm große Anzahl von
ca. 8 Trillionen (8*1018) möglichen Schlüsseln.
Ab 1926 wurden die ersten Enigmas von der Deutschen Reichswehr beschafft.
Geblendet von der großen Anzahl an möglichen Schlüsseln
hielten die Deutschen die Enigma für absolut sicher und beschafften
sie später in großen Stückzahl für die Deutsch
Wehrmacht (Schätzungen belaufen sich auch 40.000 - 200.000 Stück
[L2]). Die Tatsache, dass man bei der Verschlüsselung sensibler
Daten auf einen einzigen Algorithmus zurückgriff und diesen dann
massenhaft einsetzte, war an sich schon ein schwerer Fehler.
...und wie sie
entzaubert wurde
Die kritischste Schwachstelle
der Enigma war also die Tatsache, dass die Enigma des Militärs
auf einer käufliche Version aufbaute und in großen Mengen
benutzt wurde, so dass der Aufbau der Konstruktion und die Verkabelung
der Rotoren nicht geheim gehalten werde konnten. Auch die Konstruktion
an sich entblößte Schwachstellen. Die Marine benutzte eine
Enigma, in der sich vier Rotoren anstatt der üblichen drei befanden.
Allerdings wurde diese Neuerung nicht sehr gut durchdacht, da der vierte
Rotor nicht austauschbar war. Dadurch erhöhte sich den Schlüsselraum
nur um den Faktor 26. Der Faktor 234 währe möglich gewesen,
wenn der vierte Rotor ebenfalls austauschbar gewesen wäre.
Doch auch bei der Bedienung offenbarten sich Schwachstellen. Die allgemeinen
Einstellungen, z.B. über die verwendeten Walzen und deren Reihenfolge
in der Enigma, wurden über Codebücher festegelegt. Für
jeden Tag wurde ein bestimmter Schlüssel festgelegt mit dessen
Hilfe man dann einen individuellen Schlüssel, den sogenannten Spruchschlüssel,
vereinbarte, der wiederum für Verschlüsselung der eigentliche
Nachricht diente. Das Problem war, dass das Bedienungspersonal oft zu
bequem wahr sich für jede Nachricht einen neunen Spruchschlüssel
auszudenken oder dass der Schlüssel aus drei gleichen Buchstaben
bestand (z.B. aaa' oder zzz'). Später wurde die Wahl
eines so "bequemen" Schlüssels zwar verboten, nun benutzten
viele Funker allerdings aus Bequemlichkeit einfach die Rotorenstellung
nach dem letzten Verschlüsseln als neuen Spruchschlüssel.
Diese Stellung war dem Gegner, der den deutschen Funkverkehr ständig
mithörte, jedoch durch frühere Entschlüsselungsversuche
oft bekannt.
Diese Schwachstellen wurden im wahrsten Sinne des Wortes zu den "Knackpunkten"
bei der Dechiffrierung der Enigma.
Die Polen erkannten schon 1928, also kurz nachdem die Deutschen die
Enigma für die Reichswehr beschafft hatten, dass sie ein Hauptbestandteil
der deutschen Kommunikation war. Sie gründeten daraufhin eine Abteilung,
die sich ausschließlich mit der Entschlüsselung der Enigma
befassen sollte. Ein Ungeschick der Deutschen kam den Polen zugute.
Der polnische Zoll fing eine Enigma ab, die versehentlich an eine deutsche
Firma in Polen verschickt werden sollte. Später gelang es den Polen
sogar eine, wenn auch zivile aber voll funktionstüchtige, Enigma
von einem deutschen Hersteller zu kaufen. Das ermöglichte es den
Polen die grundsätzliche Funktionsweise der Enigma zu studieren.
1932 gelang es dem Mathematiker Marian Rejewski (1905-1980) und seinen
Mitarbeitern erstmalig mit der Enigma erzeugten deutschen Code zu brechen.
Dabei kam ihnen eine weitere Eigenart der deutschen
Verschlüsselungstechnik
zugute. Die Deutschen versendeten den Spruchschlüssel zu Beginn
jeder Nachricht zweimal hintereinander um sicher zu gehen, dass der
Schlüssel trotz möglicher Übertragungsstörungen
nicht verloren ging. Die daraus folgenden statistischen Merkmale vom
Typ 123123 blieben Rejewski nicht verborgen und er vermutete zurecht
, dass es sich dabei um den Spruchschlüssel handeln musste. Da
dieser nur 6 Zeichen lang war, drehte sich beim Chiffrieren in 20 von
26 Fällen nur die erste Walze. Dies ermöglichte es den Polen
die Verdrahtung der ersten Walze zu ermitteln. Weil die Anordnung der
Walzen in der Maschine vierteljährlich geändert wurden, gelangte
irgendwann jeder Rotor in die erste Position. Rejewski und seinen Mitarbeitern
gelang es so die Verdrahtung aller der bis dahin verwendeten Walzen
zu bestimmen.
Die Polen waren nun in der Lage die militärische Version der Enigma
mit 5 Walzen nachzubauen. 1937 konstruierte die Warschauer Fabrik AVA
unter der Leitung Rejewski ein Gerät mit dem Verschlüsselungsesetzmäßigkeiten
der Enigma in Tabellen ausgewertet werden konnten. Mit ihrer Hilfe ließen
sich die Tagesschlüssel innerhalb von 10 bis 15 Minuten bestimmen.
Anfang 1938 änderten die Deutschen das Spruchschlüsselverfahren.
Die bisherigen Methoden der Polen waren damit nicht mehr wirksam, der
doppelte Spruchschlüssel wurde jedoch beibehalten. Die Polen entwickelten
daraufhin eine Maschine, die nach solchen verdoppelten Klartextmustern
suchte. Da diese Maschine in ihrer Form an eine Eistorte (polnisch "bomba")
erinnerte, wurde auch die weiterentwickelte Version der Engländer
später "bomb" genannt.
Die "bomba" war in der Lage einen Schlüssel innerhalb
von zwei Stunden zu ermitteln. Doch der Erfolg währte nicht lange
denn Ende 1938 fügten die Deutschen ihrer Enigma noch zwei weitere,
austauschbare Rotoren hinzu. Rejewski und sein Team wurden in ihrer
Arbeit wieder zurückgeworfen, denn zunächst gingen sie von
einem neuen Verschlüsselungsalgorithmus aus. Wieder kam den Polen
ein Zufall zur Hilfe. Ein Tippfehler eines deutschen Funkers brachte
sie auf die Spur, dass die neu Verschlüsselung lediglich mit Hilfe
zweier zusätzlicher, neuer Walzen erfolgte, deren Verdrahtung sie
nach dem bewährten Verfahren ermittelten.
In England wurde
die Kryptoanalyse lange Zeit stark vernachlässigt. Ursache dafür
waren nicht nur begrenzte Geldmittel, sondern auch die Tatsache, dass
die britische Armee lange Zeit keine Zivilisten einstellte, obwohl ein
Mangel an Spezialisten bestand. 1939 wurde dann in Bletchley Park eine
eigene, streng geheime Kryptoanalyse Abteilung eingerichtet. Hier arbeiteten
neben Mathematikern, Linguisten und Altphilologen auch Schachspieler
und in geringem Ausmaß auch Mitarbeiter mit der Muttersprache
Deutsch.
Als die Briten schließlich die militärische Bedeutung der
Enigma erkannten, war es schon fast zu spät. Sie starten zwar noch
einige Entschlüsselungsversuche, konnten die Entschlüsselungserfolge,
die die Polen nach jahrelanger Forschung bereits erreicht hatten, aber
natürlich nicht wiederholen.
Im Juli 1939, also kurz vor Kriegsbeginn, gaben die Polen, auf Grund
der angespannten politischen Lage und begrenzter eigener Möglichkeiten,
ihre Ergebnisse an die Engländer weiter. Ein halbes Jahr später
kam der Mann nach Bletchley Park, der schließlich maßgeblich
zum großen Erfolg beitrug, der Mathematiker Alan Mathison Turing
(1912 - 1954). Er war einer der talentiertesten Mathematiker seiner
Zeit. Schon mit 23 Jahren hatte er sein Studium am King's College in
Cambridge mit einer ausgezeichneten Doktorarbeit abgeschlossen. Er erkannte
die Bedeutung der polnischen Entschlüsselungs- versuche und setzte
sich energisch dafür ein diese mit aller Kraft voranzutreiben.
Zusammen mit Gordon
Welchman baute Turing auf Grundlage der polnischen "bomba"
eine Maschine zum Entschlüsseln der Enigma. Diese, nun "bomb"
genannte Maschine, bestand im Prinzip aus mehreren parallel geschalteten
Enigma-Maschinen und beschleunigte die Entschlüsselung wesentlich.
Im Prinzip führte die "bomb" eine Klartextattacke durch.
Sie verglich parallel eine große Anzahl Zeichen miteinander und
prüfte den Geheimtext auf bestimmte Schlüsselwörter.
Dabei griff sie auf Standartformulierungen wie "HEILHITLER"
am Befehlsende oder "KEINEBESONDERENVORKOMMNISSE" zurück.
Turings Maschine hatte die Ausmaße eines Wandschrankes. Sie war
2 Meter hoch, 2,10 Meter breit, 60 cm tief und wog ungefähr eine
Tonne. Im Laufe des Krieges wurden über 200 solcher Maschinen gebaut.
Die Deutschen erkannten 1940 zwar einen ihrer Chiffrierfehler und übermittelten
den Tagesschlüssel nur noch einmal, das konnte die Engländer
jedoch kaum noch aufhalten. Sie hörten nun regelmäßig
den Funkverkehr der deutschen Luftwaffe ab und entschlüsselten
die Nachrichten.
Einen ersten Erfolg feierten die Mitarbeiter in Bletchley Park während
der sogenannten "Luftschlacht um England", bei der der Royal
Airforce ein weit überlegener Gegner gegenüberstand. Aufgrund
des dechiffrierten Funkverkehrs konnten die Briten ihre begrenzte Anzahl
von Flugzeugen so geschickt einsetzen, dass sie den Deutschen große
Verluste zufügten und die geplante Invasion nicht weiter verfolgt
wurde.
Die deutsche Marine benutze jedoch eine weitaus kompliziertere Version
der Enigma. Bei dieser Version hatte man acht verschiedene Rotoren zur
Auswahl, d.h. 8*7*6 = 336 verschieden Möglichkeiten die Rotoren
zu kombinieren. Sie wurde in England für unknackbar gehalten. Doch
Turing ließ sich nicht entmutigen und ging das Problems trotzdem
an. Kriegslisten, Glück, Fehler des Gegners, Zufall und die überragenden
mathematischen Fähigkeiten von Turing und seinen Mitarbeitern,
die immer wieder neue und komplexere statistische Verfahren entwickelten,
führten schließlich zum Erfolg.
Einen der gravierendsten
deutschen Chiffrierfehler nannten die Engländer "Kiss",
weil sie dem Funker für seine Ungeschicklichkeit am liebsten die
Füße geküsst hätten. Wenn ein Schiff eine Mine
entdeckt hatte setzte dieses sofort eine Warnung an alle Schiffe ab.
Dabei kam es vor, dass die Nachricht an die U-Boote mit Hilfe der Enigma
verschlüsselt wurde und die im Wortlaut gleiche Meldung an andere
Stationen mit einem einfacheren, bereits gebrochen, Algorithmus verschlüsselt
wurde.
Teilweise provozierten die Engländer auch solche Meldungen in dem
sie zum Beispiel Leuchtbojen bombardierten und daraufhin einen "Kiss"
auslösten oder zumindest eine Meldung deren Inhalt zu erraten war.
Ein weiterer großer Coup der Engländer war der Angriff auf
ein Trawler in den nördlichen Gewässern Norwegens bei dem
sie erfuhren, dass die Wetterbeobachtungsschiffe ihre Meldungen ebenfalls
mit Hilfe der Enigma verschlüsselten. Diese benutzen seit Oktober
1940 spezielle Codebücher, die sogenannte "Wetterkurzschlüssel"
enthielten. Da die Wetterbeobachtungsschiffe oft mehrere Monate auf
See wahren, mussten sie auch eine entsprechende Anzahl an Schlüsseln
bereit halten. Das Problem lag darin, dass die Deutschen sofort neue
Schlüssel erstellen würden, wenn sie erfuhren, dass die aktuellen
Codebücher in die Hände der Gegner gefallen sind. Schließlich
gelang den Engländern durch eine raffinierte List in den Besitz
der Codebücher. Die englischen Kriegsschiffe schossen mit Absicht
dicht am Wetterschiff "München" vorbei, so dass die gesamte
Besatzung in Panik über Bord ging. Sie wurde sofort von den Engländern
gefangen genommen und unter Deck gebracht, damit sie nicht beobachten
konnte, dass ihr Schiff nicht sofort sank. Die Engländer sicherten
die Codebücher, versenkten das Schiff und setzten ein Meldung ab,
die die Deutschen davon überzeugte, dass alle geheimen Papiere
mit der "München" untergegangen waren.
Im Mai 1941 zwangen englische Kriegsschiffe das deutsche U-Boot U-110
zum Auftauchen. Die Besatzung verließ das Boot, weil sich ein
englisches Kriegsschiff auf Rammkurs befand. Dessen Kapitän erkannte
jedoch die Chance in den Besitz eines deutschen U-Bootes zu gelangen
und konnte die Versenkung im letzten Moment vermeiden. Unter den umfangreichen
erbeuteten geheimen Materialien befanden sich auch eine U-Boot-Enigma,
drei Grundschlüssel für einen längeren Zeitraum und aktuelle
Codebücher. Mit Hilfe des umfangreichen Materials wurde es den
Engländern nach und nach möglich sämtliche Meldungen
der deutschen Marine zu dechiffrieren.
Doch am 1. Februar 1942 wurde die Verschlüsselung der U-Boot-Enigma
durch den Einbau eines vierten Rotors noch einmal verstärkt. Der
vierte Rotor war allerdings fest eingebaut und konnte nicht durch einen
anderen ausgetauscht werden. So blieb die Anzahl der Kombinationsmöglichkeiten
für die drei austauschbaren Rotoren gleich. Wäre der vierte
Rotor ebenfalls austauschbar gewesen, so hätte es 9*8*7*6 = 3024
verschiedene Kombinationsmöglichkeiten gegeben, was das Entschlüsseln
um ein vielfaches erschwert hätte. Dennoch warf diese Verbesserung
die Briten in ihren Entschlüsselungsversuchen zurück.
Am 30. Oktober 1942 gelang es den Briten wichtige Dokumente (unter Anderem
das Codebuch) aus dem sinkenden U-Boot U-559 zu retten bevor es nahe
Port Said sank. Mit Hilfe der Dokument, die die Engländer von U-559
geborgen hatte, gelang es auch die Enigma mit vier Walzen zu knacken.
Allerdings dauerte das Dechiffrieren anfangs so lange, dass die Ergebnisse
militärisch meist nicht mehr zu verwerten waren. Gordon Welchman
perfektionierte jedoch die Konstruktion der "Bomb" so weit,
dass sie in der Lage war auch die Codes der Enigma mit vier Walzen innerhalb
kürzester Zeit zu brechen.
Mit Hilfe der aufgefangenen und entschlüsselten Funksprüche
gelang es nun den Alliierten immer besser ihre Versorgungskonvois an
feindlichen Schiffen vorbei zu lotsen und gleichzeitig der gefürchteten
deutschen U-Boot Waffe riesige Verluste beizubringen.
Reinhard Wobst gib
in seinem Buch "Abenteuer Kryptologie" [L2] folgende Hauptgründe
dafür an, dass der Code der Enigma gebrochen wurde:
- Kein
Zeichen wird sich selbst überführt.
- Jeder
Rotor wurde vom linken Nachbarn in rotorspezifischer Stellung
weitergedreht und konnte dadurch identifiziert werden.
- Spruchschlüssel
wurden zweimal hintereinander an den Anfang geschrieben.
- Spruchschlüssel
wurden stereotyp gewählt.
- Viele
Nachrichten hatten den gleich Anfang "ANX" und enthielten
andere stereotype Teile (HEILHITLER).
- Klartext
wurde manchmal untergeschoben: "Gartenpflege" (Verminen
bestimmter Planquadrate durch engl. Luftwaffe - Meldung durch
deutschen Beobachter).
- Grundschlüssel
wurden manchmal durch militärische Eroberungen bereitgestellt.
- Wetterberichte
wurden nur mit 3-Rotor-Enigma übermittelt.
- Die
gleiche Nachricht wurde mit zwei verschiedenen Verfahren chiffriert
- vor allem bei der "Gartenpflege".
- Die
Enigma galt bis zum Kriegsende als vollkommen sicher - fast
der gesamte geheime Funkverkehr basierte auf ihr: Es gab genügend
Material zur Analyse!
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Übrigens, die
Weltöffentlichkeit erfuhr erst 1975, dass es den Briten gelungen
war die deutsche Wundermaschine zu entzaubern.